Warum stimmt die Summe nicht?

„Du, Jan… warum stimmt die Summe unten nicht?“

„Ich verstehe die Frage nicht“

„Naja, bei den Page Views hat SeiteA 200, Seite B 100, und die Summe ist 300. Aber bei den Visits ergibt 180 + 80 doch nicht 200!“

„Ah, das. Also das ist so…“

Metriken, über die man Nachdenken darf

Nicht alle Metriken sind gleich, bzw. es gibt eigentlich zwei Arten von Metriken:

  1. Einfache Zähler
  2. Berechnete Metriken

Einfache Zähler sind genau wie diese kleinen Klicker — Handzähler oder tally counter.

tally counter bei Wikipedia

Handzähler (via Wikipedia)

In Analytics kann man einfach zählen lassen, wie oft bestimmte Aktionen passieren. Das können Stand 2016 bis zu 1000 verschiedene Aktionen sein, d.h. Analytics kommt mit 1000 unabhängigen Handzählern.

Das ist so, als würden bis zu 1000 Studentinnen und Studenten irgendwo sitzen und beobachten, was auf den Webseiten passiert. „Klick auf Facebookshare! Peter, das ist Deiner!“ — „Gezählt“ — „Yvonne, jemand hat ein Whitepaper runtergeladen“ — „Check“ — „Ein Order! Stefan!“ …

Später kommt der Analyst rein und fragt so Sachen wie „Wieviele Downloads hatten wir?“ und dann rechnet der Teamleiter schnell die Antworten von Yvonne (whitepaper downloads), Paul (Downloads von Manuals) und Vivienne (Downloads von Broschüren) zusammen und sagt: „214 Downloads“

Natürlich sind die Success Events ein wenig komplizierter, man kann z.B. serialisieren („Paul, zähl‘ bitte pro Visitor nur einmal, ja?“), und man kann sie auch als numerische Events konfigurieren („Vivienne, da man mehrere Broschüren in einem Rutsch laden kann, musst Du immer die korrekte Anzahl draufrechnen, ok?“). Aber auch simple Klicker scheinen komplexer zu sein, als man denkt… A Guide to Choosing the Right Tally Counter

Berechnete Metriken

Wenn ich „berechnete Metriken“ schreibe, dann fallen Euch sicher gleich die „calculated metrics“ ein, die man in Analytics konfigurieren kann. Die gehören in diese Kategorie, keine Frage, aber um die geht es mir hier gar nicht.

Ich denke jetzt an „Visits“ und die verschiedenen „Visitors“ Metriken.

Vielleicht ist dem einen oder anderen schonmal aufgefallen, dass weder „Visits“ noch „Visitors“ jemals irgendwo auf dem Tracking Pixel auftauchen. Das liegt daran, dass diese Metriken berechnet werden, und zwar im Backend.

Berechnet werden sie anhand zweier Datenpunkte: der visitor ID (aus dem s_vi oder s_fid Cookie oder vom MCVID gesetzt), und aus einem Timeout von 30 Minuten Inaktivität.

Wenn ich z.B. den Pages Report ansehe, dann berechnet sich die Anzahl der Visitors ganz einfach aus der Anzahl der verschiedenen visitor IDs, die beim Tracken der Seiten jeweils gesehen wurden, also quasi die Anzahl der Cookies, ganz salopp gesagt.

Das klappt auch bei allen anderen Dimensionen, prop oder eVar, nach dem gleichen Prinzip. Wenn ich in eine prop die Sprache der aktuellen Seite tracke, dann bekomme ich mit der „Visitors“ Metrik angezeigt, wieviele unterschiedliche visitor IDs ich jeweils pro Sprache hatte.

Für die „Visits“ Metrik kommt dazu wie gesagt noch der Timeout. Das System berechnet intern eine Art „Visit ID“, und die „Visits“ Metrik zeigt einfach an, wieviele unterschiedliche „Visit IDs“ es gab.

Beispiel (denn ein Beispiel illustriert mehr als 1000 Worte):

Meine Website hat 2 Seiten: „Home“ und „About“. Eine langweilige Website, ja. Niemand sieht sie je an.

Nun nehme ich aber meinen Browser und lade „Home“.

Damit sehe ich im Pages Report mit der „Home“ Page, mit einem Page View, einem Visit, und einem Visitor.

Passt.

Dann lade ich „About“, und jetzt sehe ich folgendes:

[Screenshot]

Pages Report with 2 Pages & 3 Metrics

Siehe da, die Summe hat sich gar nicht geändert. Und das stimmt ja auch: Ich war der einzige Visitor auf der Site, und ich habe genau einen Visit gemacht.

Oder: Die 1 bei den Visits bei „Home“ ist die selbe 1 wie die bei den Visits bei „About“.

Merke: Berechnete Metriken kann man nicht einfach so aufaddieren, wenn man eine Summe möchte.

Notiz

Dass die Metriken berechnet werden, kann man übrigens sehr schön erkennen, jedenfalls wenn man ungeduldig ist und „Current Data“ benutzt.

[Screenshot]

Pages Report with Current Data)

Da „Page Views“ nicht berechnet werden müssen, sind sie mit „Current Data“ recht schnell in Reports zu sehen. „Visits“ und „Visitors“ hingegen muss das System ja erstmal berechnen. Das findet zur Zeit in 30 oder 60 Minuten Blöcken statt. Direkt nach meinen Zugriffen stehen dort erstmal jeweils 0.

„Current Data“ für „Visits“ und „Visitors“ ist nicht verfügbar, genau weil die Metriken berechnet werden müssen.Das erklärt auch, warum man „Current Data“ nicht segmentieren kann. „Current Data“ ist so eine Art Abkürzung über eine Holzbrücke.

Wer genauere Zahlen braucht, kann sie in der Doku zu „Current Data“ finden.

Über

German expat living in Switzerland (formerly UK and France). Consultant and member of the Multi-Solutions Group at Adobe, working with the Digital Marketing Suite. Father of 4 girls.

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Veröffentlicht in Grundlagen
6 comments on “Warum stimmt die Summe nicht?
  1. Bijan Schlünkes sagt:

    Moin Jan,
    ich bin überrascht, so einen Beitrag hier zu lesen – anyway es gab sicher Gründe dafür😉 Was ich viiel lieber gelesen hätte wäre: Yesss, endlich haben wir eine Metrik die die Anzahl der eindeutigen/Vorkommnisse in einer Dimension darstellt🙂 Aber der Anspruch ist wohl zu sophisticated (ich warte seit Omiture darauf um nicht immer 9999 in das ‚Go to Page:‘ Feld eingeben oder AdHoc benutzen zu müssen😉

    Gruß
    Bijan

  2. Bijan sagt:

    Hi Jan, hi Till,
    thanks for the workaround fron Antti. But as he wrote since it’s not a ‚true‘ metric it only works for some cases and you have to create it with every countable items you’d like to see. That is the reason why I’m still waiting for this to be implemented by Adobe😉

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